Abschrift der Offnung von Müllheim

Aus dem Original in Druckschrift übertragen von Hermann Blöchlinger

Offnung des Dorfes Mülhaim

Zue merken die Offnung und Gerechtigkeit des Kehlhoffs zu Mülheimb – angeben und ernewert von Aines Herren von Ouw vogt und Amtlüt dessglichen von Gemeiner Hoffjünger Sechsmann so sy darzue geben und erwelt habent, die Auch solliche Offnung bey Iren geschworenen Eiden angeben – vf Dornstag vor der uffart Cristi von seiner gepurt gezalt 1475 Jahre.

Item – zue wüssen Das das Dorff Mülheimb vnd der Kelhoff daselbst mit Allen Hhuoben Schuppissen und Hoffguetern, mit Allen Hofjüngern, mit vählen, mit lässen, mit Aller Gerechtigkeit dess Gottshaus In der Rychenauw Recht eigen ist, Als Recht Gottshaus Leut, An die vogtey, die unser Herrschaft von Osterich zue gehört oder den, der die von der Herrschafft in hat, und hörent In denselben Kelhof gericht zwing und Penn die Als weit begryffen seindt, Alss das Etter vnd dass Dorff gandt, der Taw falt und die Sun beschynt.

Jtem ein Herr von Ouw handt zue Richten über Alle fräfflen ussgenomen vmb Uebergryff und Ueberfeng vnd vmb Sachen die den Hochen gerichten zue stöndt, darüber ein vogtherr der den zuemahl vogt dess dorff ist ze richten handt.

Jtem ein Herr Abbt handt zue gepieten an drei schilling Pfenig zwing und Penn ze halten, vnd – gefalt einem Abbt die Straff allein, vnd  mag ein Herr von Ouw vnd ein vogt füro gepieten an fünf schilling darnach an ein – an dreu – fünf – zehen – zweinzig Pfund pfening – an den eidt, an lyb und an guet – vnd was von solchen fräffeln und gepoten gefalt, sol – ietwederem halb geualen und werden.

Jtem ein Herr von Ouw aldt seine gewyssne Potten je des Jars drü Jargericht haben in dem Kelhof, dass erst zue Meyen, welches tags sy wellendt, dass ander zue Herpst, dass dritt zue Sant Andreasen tag, und wan ein Herr die gericht will haben, soll man dem keller zue jedem Gericht dreytag vorhin Anbieten, und wann ein Herr oder seine Potten inryten, so soll sy ein Keller empfahen selb dritt und soll inen zue essen geben In Meyen Krutt vnd fleisch, muess vnd gebrates vnd den Herrenzue Trinken geben gueten Landwyn wysen und rotten und den knechten bier, Zue dem Herpstgricht Rüeben fleisch brätes und muoss und das Trankh wieuor,Zue S. Andreasentag Auch Ruoben fleisch muess gebrättes und das Trankh wieuor, und mag ein Herr mit Im bringen zue den Gerichten einen Habickh, zween windt und einen vogelhundt, und soll der Keller dem Habickh ein Schwarze Hennen geben, den winden ein hirss und dem vogelhundt brots genueg uss seinem brottkorb, und soll zue Jedem Gericht Jetlichem Pferdt ein göw viertel haber geben, und wan auch eines Herren von Ouw knecht zue Mülheimb durchrytten, söllen sy Käss und brot In dem kelhof finden. Ob auch einer da benachtete, dem sol der Keller nachzel geben. Es mag auch ein Herr von Ouw zwüschent den Jargerichten gricht haben Als offt Im äben ist, ohn eines Kellers schaden und mag ein herr sein Ross schlahen in die wiss genant die schmytten, als dickh er gen Mülheimb kompt, – vnd wann ein Herr oder seine Amptleut vom Tische gandt mögendt sy – dass Jahrgericht besetzen und darnach einen Weibel und auch den Keller fragen by den eiden – wass sich hiezwüschend und dem nechsten vergangenen Jahrgricht verloffen het -.

Jtem einem Herrn Abbt – gandt Jerlichs von dem Kelhof und den erbgüetern zue Mülheimb Zins uff S. Martinstag XXXII., vnd im dritten Jar XXXI malter kernen, und achtenthalb malt. Haber – steiner mäss – , für das huobtuech ein pfund ein schilling pfening – , und achtzehnthalben schilling pfening Schwyngelt vff S. Andeasentag, und welcher sin Schwyngelt vff S. Andreasentag nit gibt, der soll darnach schwinen in Ainss Herren Abbts küchen an sein gnadt, wänn auch eines herren Abbts Pottschaft oder der Keller uf den tag so ein ieder dass Schwyngelt geben soll nit zuegegen da wär, wenn dan einer das gelt legt vff den stain an dem wäg der by dem kelhof in dem zun lytt, So soll er wol geschweynet haben, und ist der säm des fruchtgeltes – an kernen XLI malter an haber X malter vnd ein mutt, an pfeningen ein Pfund und XVIII schilling.

Jtem es sindt von Alther har fünf huben und XIV schuppessen zue Mülheimb die in den kelhof gehörendt.

Jtem es soll auch ein Keller, denen die Zins vff S. Martinstag verfallen, sagen, dass sy die zins in der Mülli machendt vnd sol sy den von Jnen empfahen und wan er ein Ledy hat, so sollende die Zinser die hinweg fueren, vnd die zins einem Abbt ein myl wegs An das waser vertigen vnd wan die zinser mit den zinsen komendt zue Mülheimb für die vier fallen thär hinauss ob Inen da die zins genomen wurdendt von kriegs wegen eines Herren Abbts, so söllindt sy wol gezinset haben -.

Jtem ein Abbt sol zue Mülheimb einen Waibel setzen mit der gepursame willen und sol im der seine Hüre samblen, von eines Kellers häissen sol er nehmen pfandt, denen er auch gepütel sein soll, und zins und umgelt, da er keller zuegegen ist, und soll mit den Zinsern gän, biss die einem Abbt geantwurt werdent.

Jtem – wer in den kelnhof zue M. gehört, es sige wyb oder mahn, der soll einem Herren Abbt – ain fassnacht huen und ein herpsthuen geben -.

Jtem wann ein Keller stirbt so sol ein Abbt von Ow nehmen dass beste haupt under allem sinem vich und einen drittentheil alles sines varenden guets und seinem weyb und seinen kindern die zwentheil lassen und soll denn sein eltester Sohn den kelhof – zue lehen empfahen, und zue Eerschatz geben vier pfund und lant der keller nit sun, so soll weder wib noch Tochter den eklnhof erben, Sy mügendt aber andere zinss lähen da hän. Vnd wan ein Herr von Ouw stirbt, so soll ein Keller den kelnhoff von einem seiner nachkomen empfahn vnd aber vier pfund Ehrschatz geben.

Jtem wan ein man, der in den hoff hört – stirbt, so soll ein Abbt nehmen das beste Haupt, und – den erben den hauptfahl dryttenteils näher geben – , wan Auch einer abgath, der vfert der genossami gewibt und kindt verlassen het, so nimmt ein Herr die zweenteil alles sines vahrenden guets und die kindt den drittenteil und das ligendt guet – verlath er aber nit kind so nimpt sin wyp den drittenteil sines varenden guets und die nechsten freundt das ligendt guet.

Jtem wann einem sein wyb abgath die nit unberauten Tochteren verlant, da gefalt einem herren von ouw dass best Pet dass sy heindt oder verlandt, dass mag dann ir man behalten, und ist dass er in Jor und tag nit ain ander wyp nimpt, So behalt er dass bete von dess Gottshaus Gnaden wegen, Ist aber dass er in Jor und tag wibet, wen man den das wyp zue der forderenthüren Jn das haus fueret, So mag eines herren Amptman dass Pet hinden zue dem hauss ausstragen und dass nehmen zue eines herren von Ouw Handen.

Jtem wan ein frauw in Witwen stat abgath so gevalt einem einem Herren von Ouw ein gewandfahl und ir beste Pet vnd Alles ir gespunen garn, und alles ir unerschooten thuech, wass nit gehoptlachet ist, wäre sy auch An antragende Handt, dass sy nit lyberben het, oder dass sy ire kindt berauten oder von ir geendert werendt, so geualt einem Herren von Ouw Ain lass von ir, Alss ir varendt guet, wie vorstatt.

Jtem ein Keller gefalt von einem Hoffjünger, wan er abgath und nit unberautten knaben laut, die kleider wie er an den fyrtagen zue der kirchen und zue Hangerten gegangen ist, und dem weibel seine geschliffne waffen, Axen, ein Spitzmässer, ein Nepper, wie er an sein werkh gangen ist.

Jtem ein keller geualt von einer Hoffjüngerinn wan die Abgath und nit unberauten Tochtern verloth Jre Kleider wie sy an dem Fyrtag zue der kirchen und Hangarten gegangen ist, vnd dem weibel sol werden Jr gürtel gewandt dass obrist vnd dass vnderst, dass ist der Sturz und die schuech.

Jtem welcher Hofjünger oder Gottshausmann vsser der genossame wibet – , den mag ein Herr von Ouw straffen, ob er sich mit im nit Richt So mag im ein Herr von Ouw fürtagen in dem kelhoff einest, aderst vnd vnss ze dem drytten, Wo dass einer vngehorsamb wäre – So soll Jn ein Herr lassen legen under dass Tachtroff von ainer tagzeit zue der andern, und soll er sich darnach mit einem Herren Abbt vnd dem vogt Rychten und besetzen An ihr gnad.

Jtem wann ein Hofjünger abgath der kindt verlath, will den die Mueter bei iren kinden in witwenstant beleiben, So sol man sy von den kindern nit Tryben, und wen sy Jahr und tag bey den kindern belyben ist, so mag sy an Ains kindstheil stan, Ob sy sich aber endert vnd in den Jar und tag ainen anderen nimpt, vnd nit bey den kinden belyben, so soll ir werden Jr morgengab vnd dass so sy zue Jrem man bracht hat.

Jtem die Hoffjünger mögent vnder den dreyzehendthalb Gotteshüsern wiben ohn straff, Auch die Hoffjünger Frauwen vnd Tochteren ob die manen nehmen, die ir genoss nit werendt handt kein straff, Ess were dann daz sy Jn Stätt zugendt, da einem herren sein gerechtigkeit nit volgen möchte, da hete sy ein herr vnd ein vogt dess dorfs zue Mülheimb vsszuemanen vnd zue straffen.

Jtem wer zue Mülheimb Bachen oder schenkhen will der soll dass mit Ains herren von Ouw willen thun vnd soll ein Bröttler Allwochen brot haben vnd mag drüzechnen für Ainen schilling kauffen vnd zwolffe für ainen schilling geben, vnd soll darumb schweren mit Aines Abbts Ammans wüssen, vnd ob Ainer von im kaufen will, der nit gelt hat, wenn er Jm dann Pfandt gibet die dess Tryttenpfening besser seyndt den er kauffen will, so soll er im brout geben, doch wan der brötler holen oder kauffen will, So soll er denen, die Jm Pfandt lösendt, wa sy die nit lösendt, so mag er die mit Jm nehmen, da er brott kauffen will, und mag die verkauffen und ander brott darumb kauffen, Wann auch der bröttler so vil brott hat, dass im verligen welte, So mag er dass zue Jedem hauss zue Mülheimb schickhen, darnach Aines bruch hät, vnd Jm dess lassen bezallen, Ob er an brott vsskeme, So soll er von stund An nach brot senden, Wo er dass nit thät, vnd keinen Potten vff der Strass häte, so mag Jn Ains Herren Amptman pfenden vmb drey schilling Pfening, so offt er dass überfahrt.

Jtem es soll zue Mühlheimb Ain Pier Täffer sein, vnd mag ein Jeder der da win erpauwet den schenkhen wie er da will, doch welcher win kouffet vnd den schenkhen will soll Jme Ains Herren Abbts Amman vnd die von dem dorff darzue gesezt seindt schätzen, dass er nit mer dann einen heller An einer mass gewinne, es were dan, dass Jm Aines Herren Abts Amman mit denen von dem dorf erlaubten und gunnen.

Jtem es soll keiner Jn das holz dem kelhoff gehörig, genannt dass löwholz holz hauwen Anderst dann Riester holz zue seinem Pflueg.

Jtem ein keller soll einem Jeden Hoff Jünger dienstbar sein zue Tagen oder Tedingen ein halbe will wegs wa er sein Nottürftig ist vff sinen schaden.

Jtem alle die wingarten oder Reben handt söllen die verzünen und vermachen, dass ein Muetterschwyn mit Neun Fryschlingen vmb vnd vmb die Reben loffen vnd durch die Zün nit komen mögendt, vnd söllen die zeün mit zweyen ättern geätert sein, wa die nit also versorget seindt, mag eines Herren Aman strafen vnd pfenden.

Jtem welcher die widumb zue Mülheimb Jn hat, der soll den von Mülheimb ainen faselstier haben vnd mag der widmer den stier zue den Meyen für die fallenthör In die Esch treiben von den der hirt Jntrybt biss er wider vsstrybt doch mag einer den stier vsser seinem korn Tryben vnd nit weiter, vnd soll ein Hirt zue Mülheimb des stiers vmsonst hüeten.

Jtem welcher eines Herren Abbts zehenden Jnhat, der soll den von Mülheimb ein faselschwyn haben.

Jtem welcher der von Landenberg zehenden Jnhat, der soll den von Mülheimb einen Gugelhan haben.

Jtem ein keller soll in der krüzwochen der von Mühlheimb vahnen –  der widmer – das kreuz tragen.

Jtem wär dass ein man oder wyb welte das sein verschaffen vnd ordnen nach seinem Todt, dass Jn den kelhoff Mülheimb gehörte, dass soll er eruordern ehe dass er Jn das Todbett kompt von ainem Abbt von Ouw oder von seinem Ambtmann zue Mülheimb, dass er nit zue wehren, welt er’s aber nit vergünstigen, so mag er geen vff offene strass und mag dass sin verschaffen und vermachen, ein Gottshaus mensch dem Andern dass gen Ouw gehört, wem er will, vnd wann er von solchem guet vnd verschaffen goth, drey tag vnd sechs wochen vnd daselb guet keinen weg hat, habet noch nutzet, So soll es guet crafft vnd macht haben, wär aber, dass er dieser dinge keines Tätte, so soll es crafft nit haben.

 

Rechte eines Vogts.

Jtem ein Herr von Osterreich oder wer die vogtei zue Mülheimb – Jmhat ist Vogt, als wyt dass ätter und das dorf gath –  vnd handt zue Richten über alle fräuel vnd vbergryff, vnd soll da haben stockh vnd Galg.

Jtem ein vogt sol haben drü Jargericht im kelhof – vnd soll ein keller einen vogt empfahn, wie einen Herren von Ouw.

Jtem ein vogt soll habe alle Jar zue Rechter vogtsteür vss dem kelnhof zue Mülheimb XI mutt kernen wyler mäss III&5 fl dnn – , vnd drü schwyn – vier Som wyn, von Jeder Hofstatt, dess Haussrochi vff ist, ein vassnachthuen vnd ein Herbsthuen – ein fart mist – vier Eertagwen – die vyschenz -.

Jtem wenn ein vogt krieg hat, so mag er die Hoffjünger manen zue Reisen, doch wen sy zue der Sonen vfgang ziehen, dass sy bey der Sunen vndergang wider Jnziehen.

Jtem wen ein Herr von Ouw krieg hat, so möchte ein vogt die HoffJünger mit Recht zue seinen Handen ziehen vnd Jn schyrm setzen Alle die wyl die krieg werendt, Ob auch ein vogt kriegt het, So mag ein Herr von Ouw die Hoff Jünger mit Recht zu seinen Handen ziehen vnd Jn schyrm setzen Alle die wyl der krieg weret, Ob aber solcher geprest und krieg Jn fielen, dass bedt herren sy nit schirmen möchten von solchen kriegen von wem dass wär, wie sich dass fuegte, So möchten sy dann wol Jn der herrschaft Oestenreich stätten schirm und burgrecht An sich nehmen, vnd sunst Jn kein Ander wys noch weg von deheiner Anderer sach wegen. Wen auch der krieg gericht wirt, so söllendt sy wider vmbziehen, wo sy dess nit Tätten het sy ein vogtherr darumb ze manen.

Jtem wa einer – fraflet – Sol ein Jeder – der das hört, sicht oder verstath ernstlich zuekeren, die oder den so gefräflet heten, helfen hanthaben zue eines herren vnd vogts handen, damit dehainer abschweif, vnd den herren die fräffel vertröst werdent – .

Jtem wan einer Ain stein fräffentlich über den Anderen erzuckht und doch nit würfft, der verfalt ein zucht Pom.

Jtem wan auch frauwen oder Tochteren Ainanderen fräffenlich bluetrüssig machendt, verfallen ein pfundt Pfening, vnd ob sy einanderen  vnerberlich misshandeln, schmähen oder schelten mit worten, mögendt die herren straffen nach grösse der schuldt, es sige mit stain tragen oder gelt buessen, wie sy das erkenen.