16. Das Erwerbsleben bis ins 19. Jahrh.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In früheren Jahrhunderten betrieb man vor allem Viehwirtschaft und Ackerbau, die Mehrzahl der Einwohner Müllheims waren Bauern.
  • Daneben spielte der Weinbau in den Rebbergen eine grosse Rolle.
  • Manche Einwohner betrieben ein altes Handwerk wie Metzger, Bäcker, Zimmermann oder Schmied.
  • Im 19. Jahrhundert entstanden stattliche Gasthöfe für die Durchreisenden auf der Strasse Konstanz – Zürich, welche von alters her eine viel befahrene war.
  • Erst im späteren 19. Jahrhundert zogen Gewerbe und dann Industrie ein.
  • In den Jahren 1857 bis 1859 wurde die Weberei in der Grüneck erbaut. Diese Firma war über Jahrzehnte sehr erfolgreich, bei der Fabrik entstand eine Arbeitersiedlung.

Gasthöfe

Ein wichtiger Erwerbszweig in Müllheim war von jeher die Restauration. Von einigen alten Gebäuden erhalten wir Kunde, weil in ihnen eine Schenke errichtet war.

Die rasante Zunahme von Gasthöfen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hat drei Gründe:

  • Mit der neuen Bundesverfassung (1848) wurde die Gewerbefreiheit eingeführt, jeder Landwirt versuchte, seine Produkte abzusetzen.
  • Von dieser Zeit an nehmen die erhalten gebliebenen schriftlichen Zeugnisse rapide zu.
  • Der Verkehr auf der Strecke Zürich – Konstanz nahm zu. Reisende, Transporteure und Pferde brauchten Verpflegung und Unterkunft.

Bereits 1652 passierte ein wöchentlicher Postbote der Nuntiatur Konstanz mit Pferd und Wagen durch Müllheim auf dem Wege nach Luzern.

Im Jahre 1760 verschaffte sich der Konstanzer Fuhrhalter Johann Katzenmeyer ein einträgliches Geschäft, indem er auf einen Wagen einen Kutschenkasten montierte und mit diesem Gefährt den Weg nach Zürich regelmässig unter die Räder nahm.

Ab 1790 verliess auch die offizielle Diligence zweimal wöchentlich im Morgengrauen Konstanz, um vor dem Einnachten Zürich zu erreichen.

Mit der Zeit entstanden sogenannte Influenz-, d.h. Anschluss – Kurse, beispielsweise nach Bischofszell. 1845 dauerte die „Beförderungszeit der Extrapost“ von Frauenfeld nach Weinfelden zwei Stunden.

Bis gegen 1900 hielten die Postkurse von Basel nach Konstanz – Berlin in Müllheim an.

Die Weberei Grüneck

Erbauer der Weberei war eine Firma Lüthy, Müller & Co. aus Matzingen. Sie ging in den sechziger Jahren Konkurs. Im Jahre 1869 zerstörte ein Brand fast die ganze Weberei. 1870 wurde alles von den Herren J. Häberlin, J. Halter und H. Bertschinger übernommen.

Das Webereidörfchen wurde gleichzeitig mit dem Fabrikgebäude erbaut. Diese Arbeitersiedlung wurde 1859 zur bestehenden Kattunleinwandfabrik erstellt. Die Gebäude wurden in streng geometrischer Ausrichtung erbaut. Dabei kreuzt die von Norden nach Süden (zur Fabrik) verlaufende Zugangsachse rechtwinklig eine Abfolge von schmalen Erschliessungswegen. Eine zweite, kleinere Wohnhausgruppe befindet sich südöstlich davon, aufgereiht längs dem Fabrikkanal.

Die Villa Grüneck  wurde 1858 als Wohnhaus für die Direktorenfamilie erbaut. Es ist ein würfelförmiger, repräsentativer Verputzbau unter flachem Walmdach. Es erfuhr unter der Familie Halter bedeutende Wertvermehrungen. Im umgebenden Parkgarten steht ein Brunnen mit Wasserspiel.

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