Die Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen

Im Jahre 1460 kam der Thurgau ganz unter die eidgenössische Oberhoheit. Anlass dazu gaben, nebst der unbändigen Eroberungs- und Kriegslust der Innerschweizer, zwei Ereignisse. Zum einen kam es zum Plappartzug, weil sich ein Eidgenosse in Konstanz beleidigt fühlte, als seine Münze mit den Worten :“Einen Kuhplappart nehmen wir nicht an,“ abgewiesen wurde. Es kam zu einer handfesten Rauferei, und die in ihrem Stolz gekränkten Schweizer erschienen bald mit einem Kriegsheer von gut 4000 Mann vor Konstanz, das 3000 Gulden bezahlen musste. Zum andern belegte fast gleichzeitig der Papst den Herzog Sigmund mit dem Kirchenbann und forderte die Eidgenossen auf, dessen Länder zu erobern. Rasch scharten sich die Mannschaften aus der Innerschweiz zusammen, und innert kürzester Zeit, ohne Blutvergiessen, war der Thurgau in ihrer Hand.

Es war am 26. Herbstmonat 1461, als alle Thurgauer (männlich!), die über 14 Jahre alt waren, schwören mussten, „unserer gnädigen Herren Eidgenossen Nutzen und Ehre zu fördern“, und in allen Rechten, „so eine Herrschaft Österreich gehabt hat“ , jetzt dem Landvogt gehorsam zu sein. Dieser Schwur musste alle zwei Jahre von einer Delegation des Dorfes erneuert werden, für Müllheim geschah dies abwechselnd in Steckborn und Ermatingen.

Nun sandten die 7 alten Orte im Turnus von zwei Jahren einen Vogt ins Schloss Frauenfeld. Die Familienwappen der Auserwählten sind an der Wand des grossen Saales im Schloss zu sehen. Ein Zeitzeuge schrieb verbittert: „Die Landvögte regieren im Thurgau wie selbstherrliche Fürsten. Alle zwei Jahre machen die Thurgauer einen Landvogt reich.“

Für die einfachen Landbewohner änderte sich (ausser der Aufforderung zur Wehrpflicht) praktisch nichts.