Die Pfarrer zu St. Verena in Müllheim

  1. Johannes (1311), der erste geschichtlich fassbare Name eines Leutpriesters von Müllheim
  2. Konrad Dietrich (1415)
  3. Heinrich am Stad (1415)
  4. Magister Heinrich (1452); «magister» war ein akademischer Grad jener Zeit, Vorstufe zum Doktorat
  5. Johann Succentor (1458)
  6. Konrad Kleinkonrad (1481)
  7. Heinrich Strauß (1481)
  8. Johann Bridler, von Müllheim (1483-1506)
  9. Magister Heinrich Feer, von Frauenfeld. Humanist, der Reformation zugeneigt; kam 1527 als Kaplan nach Frauenfeld

    Die Reformation war ursprünglich als Erneuerungsbewegung innerhalb der einen Kirche aufgebrochen. Die Spaltung in verschiedene Parteien wurde zunächst durchaus als vorläufiger Familienzwist verstanden: so bestimmten die eidgenössischen regierenden Stände, daß in den Gemeinden der Gemeinen Herrschaften – der gemeinsam regierten Untertanengebiete, zu denen auch die Landgrafschaft Thurgau gehörte – sich die beiden Parteien zu vertragen und bis zur Beilegung des Streites in die Benützung des Kirchengebäudes gütlich zu teilen hätten (später „Parität» oder besser «Simultanverhältnis» genannt). Müllheim entschied sich für die reformatorische Seite:

  10. Andreas Klingler, 1528-1553. Er tauschte seine Stelle mit dem evangelischen Pfarrer von Tägerwilen.
  11. Georg Monhart, genannt Jörger, von Feldkirch. 1553 kam er von Tägerwilen und ging 1558 nach Basadingen.
  12. Johannes von Ulm, 1555-1559, von Konstanz, entstammte der Familie der Herren zu Griesenberg-Leutmerken. Er kam von Hirzel ZH, das er auf Klage der katholischen Orte «wegen seiner Mißhandlung und Verbrechung des Landfriedens» zu verlassen hatte. Er muß ein Mann von Format und mit weltweiten Beziehungen gewesen sein, hatte er doch in Oxford studiert, dort den Grad eines Magisters der Philosophie erworben und war Lehrer der hochgebildeten Johanna Gray geworden, der späteren – unschuldig hingerichteten – Königin von England.
  13. Josua Jäger, von Müllheim, 1558-1586.
  14. Wolfgang Jäger, Sohn des Obigen, 1587-1611. Er wurde Bürger von Zürich und Dekan des Pfarrkapitels Steckborn. Während seiner Amtszeit wurde auf Betreiben des Amtmanns Locher, Frauenfeld, in der Müllheimer Kirche der römisch-katholische Gottesdienst wieder eingeführt und ein katholischer Geistlicher vom Bischof von Konstanz angestellt. Weil sich Pfr. Jäger widersetzte und das Pfarreinkommen nicht teilen wollte, kündigte ihm der Bischof. Durch Zürichs Bemühungen konnte die Kündigung aufgeschoben werden, bis Jäger 1611 starb. – Als Kuriosum sei vermerkt, daß der Bischof von Konstanz als Rechtsnachfolger des Klosters Reichenau bis zum Untergang der Alten Eidgenossenschaft Kollator von Müllheim blieb, d. h. zuständig und berechtigt zur Berufung und Absetzung der evangelischen Pfarrer.
  15. Wolfgang Jäger, Sohn des Obigen, 1615-1661. Er hatte in Basel studiert und wirkte zunächst als Vikar seines Vaters. Sein Pfarreinsatz verzögerte sich, weil der Bischof lieber keinen evangelischen Pfarrer mehr ernannt hätte, und weil Zürich Müllheim zu einer Filiale des ihm unterstehenden Pfyn machen wollte.
  16. Andreas Ritzenstorfer, 1661-1692. Während sechs Jahren war er Vikar seines Vorgängers gewesen; auch er starb – wie jener – als Pfarrer in Müllheim.
  17. Hans Heinrich Irminger, 1692-1698. Er war der erste, zu dessen Ernennung Zürich einen Dreiervorschlag eingab, den aber der Bischof als Einschränkung seiner Rechte von sich wies. Pfr. Irminger wurde dann nach Küsnacht im Kanton Zürich berufen.
  18. Andreas Engelhart, 1698-1714. Nach seiner Ordination war er Hauslehrer in Baden gewesen; von Müllheim berief ihn Zürich nach Langnau.
  19. Hans Heinrich Fäsi, 1714-1721. Wegen «verdächtigen Umgangs mit Weibspersonen» gab ihm Zürich einen Vikar in Hans Scheuchzer. Da sich der Müllheimer Pfarrer aber besserte, erhielt er teilweise wieder eine Predigterlaubnis. 1722 durfte er die Gemeinde Hittnau ZH übernehmen.
  20.  Zürich 1720 Pfarrer Fäsi absetzte und den Vikar nach Müllheim geschickt hatte, fühlte sich der Bischof in seinen Rechten eingeschränkt. Als die Zürcher ihm gar einen Dreiervorschlag zur Wiederbesetzung der Pfarrstelle vorlegten, überging der Bischof die Vorgeschlagenen und ernannte den Glarner Bartholomäus Weiß zum evangelischen Pfarrer von Müllhe:m. Mit Unterstützung von Landammann Albrecht hintertrieb Zürich diese Verfügung; der Streit zog sich bis 1726 hin.
  21. Hans Heinrich Scheuchzer, 1726-1739, der frühere Vikar und Pfarrverweser. Auch er starb als Pfarrer von Müllheim.
  22. Hans Konad Steinbrüchel, 1739-1746. Er war zuerst Katechet in Zürich-Unterstraß gewesen; er starb als Pfarrer von Müllheim.
  23. Bartholomäus Steger, von Glarus, 1746-1802. Von ihm wird berichtet, er sei ein unruhiger Mann gewesen und oft im Zwist bald mit dem Bischof, bald mit dem katholischen Amtsbruder, bald mit der Gemeinde.
  24. Hans Heinrich Rahn, 1802-1816. Im Jahre 1801 ordiniert, wurde er Vikar und im folgenden Jahr Pfarrer in Müllheim. Er wurde nach Steckborn berufen.
  25. Johann Ulrich Brauchli, 1816-1818, vorher Pfarrer in Dußnang. Auch er starb auf der hiesigen Pfarrstelle.
  26. Peter Theodor Valär, von Jenaz, 1818-1823, war vorher Pfarrer in Matzingen. Er wurde wegen schlechter Gutsverwaltung in Müllheim abgesetzt.
  27. Friedrich Hartmann Tobler, von Ermatingen, 1823-1851, kam von der Pfarrstelle Affeltrangen her; er wurde Kirchenrat und Verwalter des Pfarrwitwenfonds. Wegen Altersbeschwerden trat er vom Pfarramt zurück und zog nach Ermatingen.
  28. Thomas Bornhauser, von WeinfeIden, 1851-1856, vorher in Arbon, ist wohl der berühmteste Müllheimer Pfarrer geblieben. Er war ein weit herum bekannter und geschätzter Schriftsteller, der maßgeblich beitrug zur politischen Reorganisation des Thurgaus. Er wurde Mitglied des kantonalen Erziehungsrates und Präsident des evangelischen Kirchenrates. Er starb in Müllheim; sein Grabstein ist zu ehrendem Gedenken an der Südmauer des Kirchenschiffs angebracht.
  29. Karl Brenner, von WeinfeIden, 1856-1899, *23. September 1832, kam als Frischordinierter nach Müllheim und wurde später Dekan (1892-99, Kapitel Weinfelden) und Kirchenrat (1898). Zwei lange im Thurgau gebräuchliche Bücher haben ihn zum Verfasser: das «Kinderlehrbuch» und ein Leitfaden für den Konfirmandenunterricht. Als langjähriger Präsident der thurgauischen Gemeinützigen Gesellschaft war er wesentlich beteiligt an der Gründung und Leitung der Anstalten Herdern (für Arbeitslose), Mauren (für Schwachbegabte), Neukirch an der Thur (Haushaltungsschule ) und anderer wohltätiger Einrichtungen. Er starb am 26. November 1899 in Müllheim an der Diphterie. Nekrolog im „Religiösen Volksblatt“ 1899, S. 406.
  30. Paul Kopp, von Amriswil, 1900-1903. * 8. Feb 1874. Vikar in Roggwil und Müllheim. Einsatz 29 April 1900. Er wurde Pfarrer in Brasilien, später in Schroda (Polen).
  31. Paul Högger, von St. Gallen, 1903-1913, vorher in Nussbaumenwar Schulinspektor und Präsident des Blauen Kreuzes im Thurgau. Er wurde ans Großmünster nach Zürich berufen. 1933 wurde er penisoniert und wohnte dann in Oberrieden. Zusammen mit Alb. Schäfer gab er 1913 das Buch heraus: „Heimatboden. Ein Buch für die Schweizer Jugend und ihre Freunde.“
  32. Walter Schühli, von Beggingen, 1913-1919. *8. Nov 1989 als Sohn des Pfrs. von Steckborn. Ordiniert 18. Mai 1913, Einsatz 26. Oktober 1913. 1919 wurde er Pfarrer in Feldis im Kanton Graubünden, wo er am 23. Dezember 1919 starb.
  33. Gustav Adolf Glinz, von St. Gallen, 1919-1930. *22. Aug 1877. Vikar in Staufberg, 1903 Pfr. in Tägerfelden, 1907 in Reinfelden, 1914 in Straubenzell-St. Gallen. Er gilt heute als ein früher, völlig unverstandener Pionier der Ökumene. Der gelehrte Mann trat vom Müllheimer Pfarramt zurück, um sich vom Diakonenhaus Nidelbad (ob Rüschlikon) aus der ökumenischen Bewegung zu widmen. Er starb am 23. April 1933.
  34. 0tto Müller, von Märwil, 1930-1963, vorher in Affeltrangen. Während seiner Amtszeit haben sich wohl die einschneidendsten Veränderungen im Gefolge der Krise, des Zweiten Weltkrieges und der technisch-wirtschaftlichen Entwicklungen vollzogen. Als Mann der theologischen Mitte suchte er Offenheit gegenüber den Zeitströmungen mit Treue zu Glauben und Kirche zu verbinden. Er trat altershalber zurück und zog nach Frauenfeld.
  35. Heinz Egger, von Basel, 1964-1994, vorher in Leutmerken. Kirchenrat. Er trat altershalber zurück und zog nach Märwil. (1968: Auflösung des paritätischen Kirchenverhältnisses in Müllheim.)
  36. Peter Keller von Birwicken, 1994-2008. Vorher Pfarrer in Berg TG. In seiner Zeit wurde das Kirchgemeindehaus neben der Kirche gebaut, ein Jugendarbeiter eingestellt und eine Besj Jungschar gegründet. Er übernahm das Pfarramt in Oberhofen-Lengwil.
  37. Florian Homberger von Gossau (ZH), 2009. Im Jahre 2009 wurde er von der Evangelisch-reformierten Zürcher Landeskirche ordiniert, und im selben Jahr in Müllheim zum Pfarrer eingesetzt. Vorher war er in Müllheim und Lengwil-Oberhofen Vikar.

 

Quellen:

– Evangelische Kirchenvorsteherschaft Müllheim „700 Jahre Kirche St. Verene Müllheim. Festschrift zur Einweihung der erneuerten Evangelischen Kirche 23. April 1978.“

– Willy Wuhrmann, Verzeichnis der evangelischen Pfarrer des Kantons Thurgau von 1863 bis 1936, 1936. Erschienen in: Thurgauische Beiträge zur Vaterländischen Geschichte, Heft 73.

– Gustav Sulzberger, Biographisches Verzeichnis der Geistlichen aller evangelischen Gemeinden des Kantons Thurgau“ 1863, in: Thurgauische Beiträge zur Vaterländischen Geschichte, Heft 4 und 5.