Kurztexte

1. Wie die Landschaft geformt wurde

  • Während der letzten Eiszeit schob sich der Bodenseegletscher von Südosten her über unsere Gegend.
  • Der Gletscher hinterliess am Rande des Thurtals Moränenhügel, zu denen alle Hügel auf Müllheimer Gebiet gehören.
  • Die Findlinge beim heutigen „Mühlekreisel“ sind Zeugen der Vergeltscherung.
  • In der Thurtal – Mulde, die vom Gletscher geformt wurde, befindet sich ein Grundwassersee, aus dem unser Trinkwasser stammt.
  • Der Hauptteil unseres Dorfes befindet sich über einem Bachschuttfächer.

2. Funde aus der Stein- und Bronzezeit

  • Beim Nachbardorf Pfyn stand die berühmte Steinzeitsiedlung „Breitenloo“. Archäologische Funde, die aus der Zeit von 4500 bis 3300 v. Chr. stammen, werden der „Pfyner Kultur“ zugeordnet.
  • Diese „Pfyner Kultur“ kann ein Steinbeil zugewiesen werden, das man beim Maltbach entdeckte. Es ist das älteste Relikt menschlicher Tätigkeit auf unserem Gemeindegebiet.
  • Ebenfalls beim Maltbach stiessen im Jahre 1846 Landwirte auf eine Sandsteinplatte, die ein Grab bedeckte. das Grab enthielt ausser dem Skelett ein Bronzeschwert und einen Bronzedolch.
  • Das Schwert und der Dolch aus der Bronzezeit sind im naturhistorischen Museum in Frauenfeld ausgestellt.

3. Spuren aus der Eisenzeit

  • Vermutlich aus der frühen Eisenzeit stammen Grabhügel und ein Grabensystem im Eggwald.
  • Ein schwer zu beurteilender Fund bei der Mariahalden könnte aus der Zeit der Kelten stammen.

4. Die Römerherrschaft

  • In unserem Nachbardorf Pfyn errichteten die Römer ein Heerlager. Sie nannten dieses Kastell „Ad fines“.
  • Die von Winterthur her kommende Römerstrasse muss nach Pfyn über unser Gemeindegebiet weiter nach Arbon geführt haben.
  • Auf Müllheimer Gebiet wurden römische Münzen und einige Tonscherben gefunden.

5. Der Ursprung des Dorfes

  • Unser Dorf wurde während der Landnahme der Alemannen gegründet, zunächst nur als Einzelhof mit einer Mühle.
  • Diese „Heim mit Mühle“ schenkte ein König Arnulf im Jahre 889 seinem Getreuen namens Deothelm, der „ein Vormann der Abtei Reichenau“ war.
  • So gelangte Müllheim unter die Herrschaft dieses Klosters.
  • Der älteste Kern des Dorfes liegt bei jener leichte Erhebung, auf der heute die evangelische Kirche steht. Dort steht heute noch der Kehlhof, gleich daneben war die Mühle gebaut.
  • Der älteste erhaltene Gebäudeteil ist der untere Teil des Kirchturms.
  • Ab dem Jahre 1260 werden in Urkunden zunächst das Dorf und dann einzelne Gebäude genannt.

6. Die Ritter „de Mülhain“

  • In einer Urkunde vom 1. März 1254 steht erstmals der Name „Mülhain“. Ein Ritter namens „Jo. de Mülhain“ war als Zeuge eines Verkaufs anwesend und bestätigte den Handel.
  • In vielen weiteren Urkunden sind die Ritter „de Mülhain“ verewigt. Sie waren etwa 100 Jahre lang die Herren von Müllheim.
  • Sie hinterliessen ein Ritterwappen, und ihr Ritterturm stand im Oberdorf. Sein Grundgebäude bildet heute noch den Unterbau des Kirchturms.
  • Auch Langenhart besass ein eigenes Rittergeschlecht. Im Jahre 1249 wurde auf einer Urkunde „Ebirhardus de Langinhart“ verewigt. Das Wappen der Ritter von Langenhart ist ebenfalls überliefert.

7. Die Eidgenossen kommen

  • Als die Eidgenossenschaft gegründet wurde, gehörte Müllheim zum Einflussgebiet der Habsburger.
  • An den ersten eidgenössischen Schlachten waren auch Ritter von Langenhart, Klingenberg und Wellenberg auf der Seite der Habsburger beteiligt.
  • Im Jahre 1445 brannten die Eidgenossen während eines Kriegszugs Müllheim und andere Dörfer in der Umgebung nieder.
  • Um 1460 kam der Thurgau, und damit auch unser Dorf, unter die Herrschaft der 7 eidgenössischen Orte.

8. Die Offnung von Müllheim

  • Diese wichtige und interessante Urkunde stammt aus dem Jahre 1475. Zusammen mit dem „Urbar“ von 1523 lassen sich die Rechte und Pflichten von damals rekonstruieren.
  • Es gab Regelungen zwischen Grundherr, Schirmvögten und den Hofleuten.
  • Die Hofleute hatten dem Kloster Reichenau Abgaben zu entrichten. Dafür stellte das Kloster einen Schirmherrn, der die Rechtsprechung und die Verwaltung übernahm.
  • Die Abgaben sammelte ein „Cellarius“ ein, der den Kehlhof bewohnte und bewirtschaftete.
  • Viele Regelungen betreffen den Todesfall, das Erb- und das Eherecht.

9. Aus der Kirchengeschichte

  • Die Geschichte Müllheims war besonders kirchlich geprägt, weil das Dorf unter der Grundherrschaft des Klosters Reichenau und später des Bischofs von Konstanz stand.
  • In den ältesten Dokumenten ist zunächst von Kapellen die Rede, das Dorf gehörte kirchlich zu Pfyn. Erst im 14. Jahrhundert wurde Müllheim eine eigene Kirchgemeinde.
  • Die Müllheimer Kirchbürger nahmen in aller Ruhe die Reformation an.
  • Auf Betreiben des Bischofs von Konstanz wurde 1607 die katholische Messe wieder eingeführt. Von da an war die Kirche paritätisch.
  • Erst mit dem Bau der Marienkirche 1966 wurde das Simultanverhältnis aufgelöst.

10. Die Bürgergemeinde

  • Das älteste Dokument im Gemeindearchiv Müllheim stammt aus dem Jahre 1482. Auf dieser Pergamenturkunde werden die Abgeordneten des Dorfe „Anwälte der Ehrsamen Gemeinde Müllheim“ genannt.
  • Das älteste Protokollbuch der Bürgergemeinde beginnt mit dem Jahre 1613. Nachdem einige Bestimmungen über das Bürgerrecht festgehalten waren, schrieb man ein Verzeichnis aller Erbgüter.
  • An den Gemeindeversammlungen wurden Wahlen abgehalten über die Verwaltung, aber auch über Förster, Kuhirten, Hebammen und weiteres. Es wurden Rechnungen genehmigt, Holztage, Kornlese oder Traubenernte und ähnliches bestimmt und der Frondienst geregelt.

11. Hungersnöte und Überschwemmungen

  • Der Kampf mit den Elementen, gegen Stürme und Feuer, besonders aber gegen das Wasser, beschäftigte Müllheim andauernd.
  • In den Chroniken der Pfarrherren tauchen nebst Krankheiten, Seuchen und Hungersnöten die Überschwemmungen immer wieder auf.
  • Oftmals verschob die Thur die Grenzen zu den Nachbargemeinden, Grenzsteine gingen verloren. Viele Pergamenturkunden zeugen von den Streitigkeiten, die deswegen entstanden.
  • Erst mit der grossen Thurkorrektion ums Jahr 1867 konnte der Fluss einigermassen gezähmt werden. Aber auch danach und bis in die Gegenwart blieb er unberechenbar.
  • Auch die Bäche traten immer wieder über die Ufer und richteten Schäden an.

12. Die Baugeschichte bis ins 18. Jahrh.

  • Der älteste Siedlungskern lag in der Umgebung der heutigen evangelischen Kirche, welche das älteste erhaltene Gebäude Müllheims ist.
  • Nebst andern Gebäuden wurden der Kehlhof und die „Wassermüli“ (heute Haus zur Säge) in Urkunden des 14. Jahrhunderts genannt.
  • Das Dorf entwickelte sich entlang des Dorfbaches in südwestlicher Richtung, in drei deutlich erkennbaren Zonen.
  • Weitere erhaltene Gebäude, die schon vor 1700 erwähnt wurden, sind folgende:
    • Maltbach (1452)
    • Telle (1550)
    • Weingarten (1608)
    • Alte Gerbe (1621)
    • Kreuzlingerstrasse Nr. 42 (1643)
    • Adlerstrasse Nr. 5 (1660)

13. Von der Winter- zur Volksschule

  • Ab etwa 1600 erteilten auch in Müllheim während des Winters die evangelischen Pfarrherren die Winterschule, von Martini bis Ostern.
  • Spätestens 1683 hatte unser Dorf einen Schulmeister, damals „Präzeptor“ genannt.
  • Bereits um 1700 muss eine Ganzjahresschule mit einer Schulordnung bestanden haben, die paritätisch geführt wurde.
  • Eine Auflistung aller Einwohner von 1723 zeigt, dass es damals noch viele Analphabeten gab. Auch die im Dorf vorhandenen Bücher wurden aufgezeichnet.
  • Im Jahre 1799 gab Lehrer Wepf genau und ausführlich Bericht über den Stand der Müllheimer Volksschule.

14. Kirchen und Pfarrhäuser

  • Im Jahre 1275 wurde die Verena-Kirche erstmals erwähnt. Sie erfuhr viele Umbauten und Renovationen.
  • Im Jahre 1780 wurde ein Pfarrhaus in der Gasse erwähnt. Es handelt sich um das Riegelhaus „Gasse 4a“.
  • Das Haus „Kreuzlingerstrasse Nr.42“, direkt der Kirche gegenüber, ist in einem Verzeichnis von 1817 als „altes Pfarrhaus“ vermerkt.
  • Das stattliche Riegelhaus am östlichen Dorfeingang, ehemals ein Gasthof mit Namen „Hirschen“, diente von 1804 bis 1964 den evangelischen Pfarrern als Wohnhaus. Danach wurde das Pfarrhaus an der Zielstrasse bezogen.
  • Im Jahre 1839 konnte der katholische Pfarrer in das Haus an der Einmündung der Langenharterstrasse einziehen. Es wurde erst im Jahre 1991 wieder verkauft.
  • Die Marienkirche auf dem Storenberg wurde 1968 eingeweiht, das Pfarrhaus 1982.

15. Der „Müllemer Elifant“

  • Es war im Jahre 1843, als eine Wandergruppe mit fremdländischen Tieren durchs Thurtal zog.
  • Weil sie nicht in unserem Dorf vorbei kamen, waren die Müllheimer enttäuscht.
  • Eine Gruppe von fremden Handwerksburschen baute nun ein Gerüst, das einem Elefanten glich.
  • Damit zogen sie durch das Dorf und stellten es in einer Scheune auf. Sie verlangten Eintrittsgeld und Futter für das Tier.
  • Als der Betrug durchschaut wurde, flohen die Burschen mit dem Geld.
  • Die Leute in den Nachbardörfern lachten schadenfreudig über die Müllheimer und gaben ihnen den Übernamen „Elifanten“.

16. Das Erwerbsleben im 19. Jahrh.

  • In früheren Jahrhunderten betrieb man vor allem Viehwirtschaft und Ackerbau, die Mehrzahl der Einwohner Müllheims waren Bauern.
  • Daneben spielte der Weinbau in den Rebbergen eine grosse Rolle.
  • Manche Einwohner betrieben ein altes Handwerk wie Metzger, Bäcker, Zimmermann oder Schmied.
  • Im 19. Jahrhundert entstanden stattliche Gasthöfe für die Durchreisenden auf der Strasse Konstanz – Zürich, welche von alters her eine viel befahrene war.
  • Erst im späteren 19. Jahrhundert zogen Gewerbe und dann Industrie ein.
  • In den Jahren 1857 bis 1859 wurde die Weberei in der Grüneck erbaut. Diese Firma war über Jahrzehnte sehr erfolgreich, bei der Fabrik entstand eine Arbeitersiedlung.

17. Vier Gedenkstätten

  • Für Thomas Bornhauser wurde an der Südmauer der evangelischen Kirche ein Grabstein zum ehrenden Andenken angebracht.
  • Eine Gedenktafel wurde an der Hauswand des Geburtshauses von Johann Wepf angebracht.
  • Der Grabstein von Johann Wepf befindet sich in der nordwestlichen Ecke des Friedhofs.
  • An die während der Internierung verstorbenen Bourbakisoldaten erinnert ein Gedenkstein am östlichen Rand des Friedhofs.

18. Die ersten Vereinsgründungen

  • Bis zum Jahre 1900 liegen folgende Vereinsgründungen vor (Ergänzungen möglich, Vollständigkeit nicht gesichert):
  • 1867 Sängerverein „Frosinn“ unter Johann Wepf
  • 1871 Kirchengesangsverein, „zur Pflege des katholischen Kirchengesangs“
  • 1876 Musikgesellschaft Grüneck – Müllheim
  • 1878 Gemeinnütziger, überkonfessioneller Frauenverein
  • 1880 Turnverein Müllheim
  • 1888 Teilnahme der Schützengesellschaft an der Fahnenweihe Wigoltingen
  • 1892 Katholischer Männer- & Arbeiterverein
  • 1897 Evangelischer Kirchenchor
  • 1898 Reitverein Müllheim und Umgebung

19. Die Entwicklung des Verkehrs

  • Schon vor über 300 Jahren ritt ein Kurier des Bischofs täglich von Konstanz nach Zürich. Wöchentliche Fahrten mit Kutschen gab es auf dem selben Weg ab 1760. Ab 1830 waren es gelbe Postkutschen.
  • Die erste Strasse, welche vom selbständig gewordenen Kanton Thurgau in Stand gestellt wurde, war diejenige von Frauenfeld nach Konstanz. Auf ihr nahm der Verkehr mit Fuhrwerken immer mehr zu.
  • Am 1. Mai 1855 wurde die Thurtallinie eröffnet. Auf Wunsch der Müllheimer wurde der Bahnhof ins weit entfernte Hasli verlegt.
  • Alte Karten zeigen die Entwicklung der Verkehrswege im Dorfe.
  • Dank der Eröffnung der Autobahn A7 im Jahre 1992 wurde das Dorf vom Durchgangsverkehr entlastet.

20. Schulgemeinden und Schulhäuser

  • Im Jahre 1833 wurden die konfessionellen Schulvermögen zusammengelegt und der neu gegründeten Primarschulgemeinde übergeben.
  • An den der Gemeinde gehörenden Bauernhof bei der evangelischen Kirche wurde im Jahre 1842 ein Schul- und Gemeindehaus angebaut, das „obere Schulhaus“, oder auch „Schulhaus zur Säge“ genannt.
  • Nach langem Streit wurde 1853 eine erste Lehrstelle für die Sekundarschule eröffnet.
  • Das „untere Schulhaus“, heute „Ochsenschulhaus“ genannt, wurde 1889 durch die Primarschulgemeinde erbaut.
  • Die Wielturnhalle konnte 1951 eröffnet werden.
  • Erst 1965 entstand in Müllheim die „Abschlussklasse“, die spätere Realschule.
  • Im Dezember 1970 zogen drei Sekundarklassen in das Wielschulhaus ein.
  • Die Oberstufengemeinde wurde 1986 gegründet, das Zentrum „Rietwies“ wurde 1994 bezogen.

21. Der Film „Müllheim 1951“

  • Ein Film von Werner Kaufmann, gedreht im Jahre 1951.
  • Neu bearbeitet und vertont von Yvonne Escher, Bodensee-Film Steckborn.
  • Text verfasst und gesprochen von Elsa Stuber, Müllheim.

22. Der Weg zur Einheitsgemeinde

  • Im letzten Jahrhundert wandelte sich Müllheim vom Bauerndorf zu einer modernen Gemeinde.
  • Früher waren die verschiedenen Gemeindeämter im Dorf zerstreut, eine eigentliche Gemeindekanzlei gab es erst seit 1950.
  • Im Jahre 1967 schlossen sich die Ortsgemeinden Langenhart und Müllheim zu einer Einheitsgemeinde zusammen.
  • Bis dahin hielt Langenhart einen Rekord: sie war mit 56 Einwohnern und 11 Haushaltungen die kleinste Gemeinde des Kantons.
  • Das neue Gemeindezentrum konnte 1992 bezogen werden.

 

Texte verfasst von Albin Brühwiler im Frühling 2017